Über innere Unruhe, Selbstdruck und die Frage, was dir wirklich hilft
Es gibt diese Abende, an denen im Außen eigentlich alles ruhig ist. Der Tag ist geschafft, die Termine sind vorbei, die Nachrichten beantwortet, vielleicht sitzen die Kinder im Bett oder das Haus wird langsam still. Und trotzdem kommt keine Ruhe auf.
Du sitzt auf dem Sofa, bist müde, aber innerlich angespannt. Der Körper fährt nicht herunter. Die Gedanken kreisen weiter. Also greifst du vielleicht doch noch zum Handy, scrollst ein bisschen, beschäftigst dich irgendwie weiter, obwohl du eigentlich längst spürst: Das ist es gerade nicht.
Innere Unruhe fühlt sich oft genau so an. Nicht immer laut – aber deutlich genug, um zu merken: Irgendetwas in mir ist noch nicht zur Ruhe gekommen.
In einer meiner Podcastfolgen spreche ich darüber mit Melissa Lobert von der Melo Beratungsstelle (https://www.beratungsstelle-melo.de/). Und ich mag an diesem Gespräch besonders, dass es nicht darum geht, innere Unruhe sofort zu dramatisieren oder mit schnellen Lösungen wegzumachen. Sondern erst einmal zu verstehen, was da eigentlich passiert.

Melissa Lobert & Silvia Dervisevic
Innere Unruhe ist nicht automatisch ein Problem
Ein Gedanke aus dem Gespräch ist mir besonders hängen geblieben: Innere Unruhe ist nicht automatisch etwas Dramatisches. Sie kann unangenehm sein, ja. Sie kann uns fordern, nerven, erschöpfen. Aber sie ist nicht automatisch falsch.
Melissa beschreibt es sehr klar: Manchmal ist innere Unruhe auch ein Zeichen dafür, dass viel in Bewegung ist. Dass etwas verarbeitet wird. Dass Energie da ist, die noch keinen guten Kanal gefunden hat. Und genau dieser Blick verändert schon etwas.
Denn oft machen wir die Unruhe selbst noch schlimmer, weil wir sofort gegen sie kämpfen. Weil wir denken, wir müssten doch längst ruhiger sein. Weil wir uns dafür verurteilen, dass wir nicht abschalten können.
Doch vielleicht beginnt Entlastung genau dort, wo wir aufhören, uns selbst für unsere Unruhe zu bestrafen.
Nicht jedes Gefühl muss sofort „weg“. Manches möchte erst einmal verstanden werden.
Warum klassische Tipps oft nicht greifen
Viele Menschen kennen den Moment, in dem sie merken: Ich bin völlig drüber. Der Körper ist angespannt, der Kopf wach, die Gedanken drehen sich. Und dann kommt von außen ein gut gemeinter Rat wie: „Du musst einfach meditieren“ oder „Mach doch mal autogenes Training“.
Für manche funktioniert das. Für viele aber in genau diesem Moment eben nicht.
Und auch das sprechen wir in der Folge offen an: Wenn dein Nervensystem gerade im Alarm ist, wenn dein Körper voller Stressenergie steckt, dann hilft es oft nicht, dich mit Druck ruhig machen zu wollen. Dann ist die innere Unruhe nicht deshalb da, weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil dein System gerade in Bewegung ist.
Melissa bringt das sehr lebensnah auf den Punkt: Manchmal braucht der Körper eben nicht Stille als Erstes, sondern Bewegung. Nicht noch mehr Kontrolle, sondern einen Weg, die aufgestaute Energie überhaupt erst einmal abzubauen.
Das kann ein Spaziergang sein. Putzen. Schreiben. Aussortieren. Etwas mit den Händen tun. Etwas, das dich aus dem reinen Kreisen im Kopf zurück in eine Form von Handlung bringt.
Was hilft, hat Recht.
Dieser Satz fällt im Gespräch nicht zufällig. Weil er so viel Druck rausnimmt. Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen. Und nicht alles, was theoretisch gut klingt, ist in dem Moment auch wirklich hilfreich.
Prävention beginnt nicht im Krisenmodus
Ein sehr wertvoller Teil des Gesprächs ist die Frage, was wir eigentlich tun können, bevor die innere Unruhe uns nachts um halb vier aus dem Bett holt.
Melissa sagt dazu etwas sehr Einfaches und gleichzeitig sehr Kluges: Nicht erst im Krisenmodus überlegen, was helfen könnte. Sondern in ruhigen Momenten herausfinden, was dir wirklich guttut.
Also nicht dann, wenn schon alles zu viel ist. Sondern vorher.
Zum Beispiel mit einer ganz einfachen Liste:
- Was tut mir täglich gut?
- Was tut mir wöchentlich gut?
- Was brauche ich, wenn ich emotional voll bin?
- Was hilft mir, wenn mein Kopf zu laut wird?
- Was bringt mich zurück in meinen Körper?
So entsteht mit der Zeit nicht nur mehr Bewusstsein, sondern auch ein ganz praktischer Zugang zu dir selbst. Du musst in schwierigen Momenten nicht erst anfangen zu suchen. Du weißt schon ein Stück besser, was dich unterstützen kann.
Und genau das ist für mich ein wichtiger Teil von Selbstführung: sich selbst nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Was dich wieder in Verbindung bringen kann
Im Gespräch geht es auch darum, warum wir die Dinge, die uns eigentlich guttun würden, oft gerade nicht tun. Warum wir lieber in alten Routinen bleiben, obwohl wir längst merken, dass sie uns nicht guttun. Warum wir so lange warten.
Auch das hat Gründe. Unser System hält oft lieber an dem fest, was bekannt ist, selbst wenn es nicht gesund ist, einfach weil es vertraut ist. Deshalb braucht Veränderung nicht nur Erkenntnis, sondern auch Sicherheit.
Für manche ist das Schreiben ein Zugang. Für andere Bewegung. Für wieder andere Struktur im Alltag, ein klarer Wochenplan, kreative Momente oder bewusste kleine Rituale. Und ja – auch Düfte können hier eine kraftvolle Unterstützung sein, weil sie direkt auf das Nervensystem wirken und helfen können, wieder ein Stück mehr bei sich anzukommen.
Gerade bei innerer Unruhe braucht es oft nichts Großes. Sondern etwas, das dich wirklich erreicht.
Vielleicht ist es genau das, was diese Folge so wertvoll macht: Sie lädt nicht dazu ein, dich noch mehr zu optimieren. Sondern dich ernster zu nehmen. Freundlicher mit dir zu sein. Und genauer hinzuschauen, was dir wirklich hilft – statt nur zu funktionieren.
Eine Einladung zum Hinspüren
Wenn innere Unruhe zu deinem Alltag gehört, wenn du dich in diesem „Ich bin müde, aber nicht ruhig“-Gefühl wiedererkennst oder wenn du manchmal das Gefühl hast, dein Körper sendet längst Signale, die du zu oft übergehst, dann ist diese Podcastfolge eine echte Einladung.
Nicht, um noch mehr zu wissen, sondern um dich selbst ein bisschen besser zu verstehen.
Melissa bringt viel Klarheit, Ehrlichkeit und Alltagstauglichkeit mit in dieses Gespräch. Und genau deshalb ist diese Folge nicht nur inspirierend, sondern auch entlastend. Weil sie zeigt: Du bist nicht falsch, wenn es in dir unruhig ist. Aber du darfst anfangen, anders damit umzugehen.
Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, dich zu fragen:
- Was hat mir in den letzten Wochen wirklich gutgetan?
- Wovon möchte ich mehr?
- Und was darf leiser werden?
Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest, hör in die Podcastfolge rein. Und wenn du spürst, dass du nicht nur zuhören, sondern auch praktisch erforschen möchtest, dann ist auch der monatliche Online-Workshop ein Raum dafür.
Dein Körper spricht. Du darfst wieder lernen, ihn zu verstehen.
Hier gehts zur Podcastfolge:
https://open.spotify.com/episode/2MqF6Uclj0N2K1O7LaEheD?si=fYFxoRkdTfGmqln3p820_Q
Hier findest du die Anmeldung zum Online Webinar Körperkompass (1. Freitag im Monat außer an Feiertagen):
https://oelraum.de/alle-veranstaltungen/
